eine Luftaufnahme einer von Bäumen umgebenen Straße.

Eure Fragen | Hintergründe

Ein paar Gedanken zu Palmöl

Immer wieder erhalten wir von Euch das Feedback, dass Ihr Euch von uns palmölfreie Seifen wünscht – mal mehr, mal weniger energisch und manchmal auch recht aggressiv. Wir möchten Euch deshalb hier gern unseren “Palmöl-Plan” offenlegen.

Das Öl der Ölpalme (Elais guineensis) ist für die Weltwirtschaft ein echter Tausendsassa. Neben der (überwiegenden) Verwendung als Lebensmittel wird es in der Kosmetik, der Chemie und als Energiequelle eingesetzt. Das liegt zum einen an der sehr günstigen Fettsäuren-Zusammensetzung, zum anderen aber vor allem an der unheimlichen Produktivität der Ölpalme: sie ist dreimal so ertragreich wie Raps und etwa sechsmal so ertragreich wie Soja.

Klingt erst mal gut, bringt aber Probleme mit sich: die Ölpalme wächst mit ihren klimatischen Ansprüchen ausschließlich in den Tropen. Dort werden riesige Flächen gerodet um sie für Plantagen zu nutzen, auf denen leider selten ökologisch und sozial verträglich gewirtschaftet wird. Mit zunehmender Nachfrage wachsen die Probleme: zwischen 1999 und 2005 wurden allein in Malaysia und Indonesien fast 5 Millionen Hektar neuer Plantagen angelegt, davon mehr als die Hälfte durch Abholzung tropischer Regenwälder. Ein weiteres Problem ist die Ausbeutung der Arbeiter vor Ort – stellenweise reden wir hier von moderner Sklaverei. Hinzu kommt der teils massive Einsatz von Herbiziden, vor allem von Paraquat.

Als Verbraucher stößt man schnell an Grenzen, möchte man auf Palmöl verzichten: es steckt mittlerweile einfach in viel zu vielen Produkten des Alltags. In Lebensmitteln ist es noch einfach zu entdecken, aber kaum jemandem ist bewusst, dass hinter “Bio-Diesel” auch Palmöl steckt. Spätestens bei verarbeiteten Produkten wird es dann ganz unübersichtlich: beliebte Tenside wie Natriumlaurylsulfat oder Cocamidopropyl-Betain (kurz: alles, was mit Lauryl- oder Coco- beginnt) werden überwiegend aus Palmöl hergestellt, so dass sich gelegentlich der Übeltäter sogar in Produkten verbirgt, die laut Etikett kein Palmöl enthalten. Es ist deshalb wichtig, im Zweifel genauer hinzusehen und kritisch zu hinterfragen.

Warum verwenden wir dann trotzdem noch Palmöl in unseren Produkten? Nun ja, wir würden gern vollständig verzichten, aber es ist nicht so ganz einfach, bei gleichen Eigenschaften des Endproduktes einfach ein Basis-Fett auszutauschen. Der leichteste Weg – und der wird aktuell aufgrund des wachsenden Verbraucherdrucks vielerorts gegangen – ist der Austausch durch Kokosöl. Das löst aber nicht die Probleme, sondern führt derzeit dazu, dass zusätzlich zu den Palmöl-Plantagen nun auch Regenwald für Kokospalmen gerodet wird. Und die wiederum bringen nur 1/5 des Ertrages. Das ist aus unserer Sicht keine Lösung, sondern Augenwischerei.

Wir haben uns entschlossen, mit der Palmöl-Problematik offen umzugehen und uns einen Fahrplan für den sinnvollen Ausstieg zu entwickeln:

  • keines unserer Produkte enthält mehr als 10% Palmöl
  • keines unserer Produkte enthält in Summe mehr als 25% Basisöle aus tropischer Herkunft (Palm, Kokos, Babassu etc.)
  • Alle unsere Öle und Fette stammen aus zertifiziertem Anbau. Hier ist uns bewusst, dass die aktuell kursierenden Siegel nicht 100% zufriedenstellend sind
  • Wo immer es möglich ist, ersetzen wir tropische Basisöle durch solche heimischer oder zumindest europäischer Herkunft

Wir können um jetzigen Zeitpunkt nicht vollständig auf Palmöl verzichten. Das nervt uns, aber es hat Gründe:

  • Kosten: unsere Markt-Tests haben gezeigt, dass die Bereitschaft einen höheren Preis für palmölfreie Produkte zu zahlen in Deutschland eher gering ist. Der Verzicht auf tropische Öle verteuert aktuell die Seifen um etwa 25%, und zu dem Kurs werden wir unsere Produkte nicht in dem Umfang los, der für ein gerade startendes Unternehmen wirtschaftlich nötig wäre
  • Problemverschiebung: durch den wachsenden Druck der Verbraucher werden Palmöl-Plantagen zunehmend stärker kontrolliert und reguliert. Die Alternativprodukte (vor allem Kokosöl) unterliegen derzeit dieser Kontrolle nicht, und aktuell passiert hier das, was vor 20 Jahren in den Ölplantagen begonnen hat. Nur mit einer anderen Pflanze
  • Produkteigenschaften: Palmöl ist für einige gute Eigenschaften der Seifen verantwortlich. Mit vielen Experimenten ersetzen wir es Stück für Stück durch einen Mix heimischer Öle. Aber jeder dieser Versuche muss erst einmal am Markt bestehen. Das braucht Zeit, und Fehlschläge sind teuer.

Fazit: wir sind dran, aber wir müssen wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll an die Sache rangehen. Bis es soweit ist, legen wir Euch die Karten auf den Tisch und halten Euch auf dem Laufenden.

veröffentlicht am 11. April 2021
Ein Bild eines Mannes, der einen Brief hält.

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